Standortdaten:

08315 Lauter-Bernsbach
Bundesland / Landkreis:
Sachsen / Erzgebirgskreis
Höhe / Fläche:
377-813m ü. NN / 30,31 km²
Einwohner:
ca. 9.130

Geschichte des Ortsteils Lauter

Die Geschichte der Stadt geht bis auf das 12. Jahrhundert zurück. Der Ort entstand um 1159 durch die Ansiedlung fränkischer Bauern. Urkundlich sind 14 Familien erwähnt, die von der alten Handelsstraße aus in die altbäuerliche Westflur rodeten. Das Gebiet galt als Reichslehen der Burggrafen zu Meißen und war Bestandteil des Gebirgsurwaldes "Miriquidi".

Die Entwicklung des Ortes ist eng verbunden mit der Herrschaft Schwarzenberg. Um 1250 entsteht die erste Lauterer Dorfkirche. Die wirtschaftliche Entwicklung gründete sich anfänglich auf die bäuerlichen Familienbetriebe und wurde mit dem Entstehen des Erzbergbaues im Gebiet nachhaltig ergänzt. In Mitleidenschaft geriet Lauter durch Zerstörungen und Verwüstungen in den Auseinandersetzungen des Hussitenkrieges, des Bauernkrieges und des Dreißigjährigen Krieges.

Nach dem Niedergang des Bergbaues im Erzgebirge im 16. Jahrhundert und mit verursacht durch Witterungsunbilden und Missernten gab es wiederholt Hungersnöte und Seuchenausbrüche.

  • 1628 Bau der heutigen Kirche
  • 1858 Eröffnung der Eisenbahnlinie
  • 1899 Bau der Heinrich-Heine-Schule
  • 1946 zieht die Wismut in Lauter ein

Im 19. Jahrhundert wurden mit der beginnenden Industrialisierung auch in Lauter neue Impulse gesetzt. Es entstanden neue Einkommensmöglichkeiten vor allem durch die Ansiedlung und Vergrößerung der Handwerksbetriebe und deren Umfunktionierung zur industriellen Fertigung. Es kam zu folgenden Firmengründungen:

  • Mühlen-, Email- und Maschinenindustrie
  • Wäschefabrikation
  • Papierherstellung
  • Korbwarenindustrie

Weit über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus waren die Lauterer Emailgeschirre und die begehrten Lauterer Spankörbe bekannt. Auch der Maschinenbau und die Papierherstellung waren bis in die Gegenwart hinein wichtige Wirtschaftsfaktoren der Stadt.

Das älteste Gemeindesiegel stammt aus dem 18. Jahrhundert. Im Mittelpunkt des Lauterer Wappens steht eine Tanne. Die Tanne verkörpert den Waldreichtum, das von Farnkraut überwucherte Wurzelwerk die nasse Talaue, auf der Lauter einst entstand. Das Blattwerk rechts und links des Baumes charakterisiert die Früchte und Heilkräuter des Waldes und die umgebende Perlenschnur symbolisiert den einstmaligen Erzreichtum selbst mitten im Ort. Alles in allem deutet die Gestaltung auf erzgebirgische Volkskunst hin.

Am 8. Mai 1962 wurde Lauter mit damals rund 9.500 Einwohnern das Stadtrecht verliehen.

Heute ist Lauter eine ruhige Kleinstadt mit etwa 4.800 Bürgern. Die vielen kleinen und mittelständischen Handwerks- und Gewerbebetriebe (mitunter durch Umstrukturierung), aber auch größere Unternehmen bilden heute das wirtschaftliche Standbein der Stadt. Ihre Gründung liegt entweder Jahrzehnte zurück oder sie entstanden erst in den letzten Jahren. Durch die "Omeras" GmbH wurde das "Schwerter Emaillierwerk" übernommen, wodurch die weltweit bekannte Produktion der Emaille-Haushaltsgeschirre aufrecht erhalten werden konnte.

Durch die Lage zwischen den Großen Kreisstädten Aue und Schwarzenberg ist Lauter besonders als Wohnstandort interessant.

Geschichte des Ortsteils Bernsbach

Als vor 800 Jahren vermutlich fränkische Bauern dem Ruf ihrer Herrschaft folgten und in großen Siedlerströmen gen Osten zogen, waren es 12 Familien, die wohlbedacht ihren Wohnsitz am sonnigen Südhang des Spiegelwaldes wählten. Vielleicht bot sich Ihnen schon damals von den Gipfeln der höchsten Bäume diese Aussicht, die auch heute noch Tausende in ihren Bann zieht.

 

Mag der Name des Führers dieser ersten Siedler oder ein Mönch aus dem Grünhainer Kloster, der dieselben betreute, als Taufpate fungiert haben, fest steht , dass 1240 Bernsbach als "Wernhardißbach" (Dorf des Bernhard am Bach) erstmals urkundlich erwähnt wird. Dann hüllen über 200 Jahre unseren Ortsteil in das Dunkel der Geschichte.

 

Um 1470 wird er als "Villa Pernsbach" im Zerminbuch der Zwickauer Franziskanermönche genannt, und von 1501 stammt die erste Nennung eines Bernsbacher Einwohners (Hans Broger). Nach 1500 werden die Quellen gesprächiger, und uns werden die Namen der 1533 hier ansässigen Familien genannt, von denen 3 bis in unsere Zeit hier ansässig sind (Richter, Reinwardt, Fischer). 1538 zogen Hammerarbeiter aus Wunsiedel und der Oberpfalz ins Erzgebirge und bauten 1539/40 im Oberdorf ihre Häuslein. Mit ihnen kam die Blechbearbeitung in unseren Ortsteil, die um 1650 ihren Aufschwung nahm.

 

Mit dem Bau der Kirche "Zur Ehre Gottes" (Bauszeit 1679-1681) und der vollständigen Loslösung von der Muttergemeinde Beierfeld (1691) wurden sich die Bernsbacher ihrer selbst bewusst, und Bernsbach wandelte sich vom Bauern- und Köhlerdorf zu einer Handwerks- und Gewerbegemeinde. Neben der Blechverarbeitung und Klempnerei war die Löffelmacherei über viele Jahrzehnte hinweg ein Haupterwerbszweig der Bernsbacher Einwohner. Über 70 Arten von Löffeln wurden hergestellt und bis Spaninen, Russland und Polen gehandelt. Ebenso wie die Schwammmacherei, die um 1800 ihre Zentrale hatte, waren die Schwefelfadenzieherei und das Spitzenklöppeln Haupterwerbszweig. Bernsbacher Handelsleute machten Bernsbach weit über die Grenzen Sachsen hinaus bekannt, und mancher Künstler und Musiker hatte in Bernsbach seinen Ursprung. Besonders erwähnenswert ist dabei die Familie Stiehler.

 

In der Folge der allgemein zunehmenden Industrialisierung entstanden auch in Bernsbach erste kleine Fabriken, die sich im Laufe der Zeit zu Großunternehmen entwickelten. so galt die Fa. Schneider und Korb um 1935 als ein Musterbetrieb der deutschen Wirtschaft. Mit dem Bau der Eisenbahn 1900, dem Gaswerk (1907-1912) und dem Wasserwerk (1901-1910) hatte sich die Bernsbach große Ziele gesetzt. Sogar eine öffentliche Badeanstalt existierte (1913-1919). Das Ortsbild wandelte sich immer mehr zu einer Industriegemeinde. Dieser Wandel wurde auch unter dem damaligen Bürgermeister Paul Martin besonders deutlich (Neubau der Schule, des Rathauses, neue Wohngebiete und Straßen).

 

Ebenso reich wie das Gemeinde- war auch das Vereinsleben. Neben der 1871 gegründeten Freiwilligen Feuerwehr bag es z.B. den Krankenhilfsverein(1859), Schützenverein, Bildungsverein, Gesangsverein "Liederkranz", Militärverein, EZV "Spiegelwald" (zusammen mit Grünhain und Oberpfannenstiel), Jungfrauenverein, Landwirtschaftsverein, Turnverein (1864)und viele andere. Sie waren Träger des kulturellen Lebens im Ort und sollten es bald wieder sein. So war auch das Marionettentheater von Emil Ficker weit über die Grenzen des Ortes hinaus bekannt.

 

Matthias Herrmann

 

Geschichte von Oberpfannenstiel

Oberpfannenstiel war von seiner Gründung im Jahre 1691 bis 1938 ein eigenständiger Ort. 

Bekannt wurde er in ganz Deutschland als anerkannter Höhenluftkurort und als Sommerfrische. Tausende Erholungssuchende aus den Großstädten Leipzig, Chemnitz oder Dresden kamen nach Oberpfannenstiel, um in "sonnigen und staubfreien Gärten" die heilsame Gebirgsluft und Ruhe zu genießen und in ausgedehnten Spaziergängen Land und Leute kennen zu lernen. Dieser Fremdenverkehr verhalf den Oberpfannenstielern zu einem bescheidenen Wohlstand, aber das war nicht immer so. Es gab Zeiten, in denen diese "blutarme Gemeinde" kaum noch ein Pferd ihr Eigen nennen konnte.

1691 war es, als der aus Bockau stammende, vom Bernsbacher Erbrichter vertriebene Christian Drechsler am Gotteswald ein Schenkhaus erbaute und dort recht gut verdiente. 1702 kam die von Polycarp Reinwardt erbaute Mühle hinzu, und die ersten Bewohner errichteten an der Schneeberger Straße ihre kleinen Häuser. Sie kamen zum großen Teil aus Bernsbach, aber auch aus dem im Walde gelegenen Bergbauort Kutten.

Ursprünglich war Oberpfannenstiel nach Lößnitz eingepfarrt. Nach langen Verhandlungen und großen Opfern seitens der Bewohner konnte 1809 eine eigene Kirche, die Martin-Luther-Kirche geweiht werden. 1828 trat der erste Pfarrer, der gleichzeitig "Schulhalter" war, sein Amt hier an. Als in der Mitte des vorigen Jahrhunderts die Weißwarenindustrie ihren Einzug in Oberpfannenstiel hielt, ging auch die Entwicklung des Gemeinwesens rascher voran. 

Erste Verein entstanden z.B. Männergesangsverein (1852), Turnverein (1863), Militärverein (1878). 

1889 wurde die Schule gebaut, in der sich später auch das Gemeindeamt befand. An der Nordseite der Dorfstraße entstanden neue Wohnhäuser und Betriebe. Auch die Blechbearbeitung und Klempnerei ernährte viele Einwohner.

Trotz der Eingemeindung 1938 nach Bernsbach hat der Ort seine Einheitlichkeit und den Zusammenhalt untereinander bewahrt.

 

Matthias Herrmann